Meine Geschichte


Nach zwei gesunden Söhnen wünschten wir uns noch ein Baby. Anfang Juni 2009 war es nun endlich wieder soweit: Ich war schwanger in der 5. Woche. Der Teststreifen meines Schwangerschaftstestes zeigte es deutlich an. Am 11 Juni bekam ich einen Frauenarzttermin. Ich war aufgeregt und gespannt zugleich! Mit Hoffen und Bangen, dass ich wirklich schwanger bin, nahm ich diesen Arzttermin wahr. Der Termin bestätigte meine Hoffnung aber leider nicht, dass ich ein weiteres Kind erwarte. Allerdings sagte mir der Gynäkologe auch, dass ich in zwei Wochen wiederkommen soll, dann würde man mehr auf dem Ultraschall sehen können. Eine Woche später kam ich ins Krankenhaus wegen starken Erbrechen. Im Krankenhaus stellte man dann fest, dass ich Mehrlinge erwarten werde, wobei noch nicht geklärt werden konnte, ob es zwei oder drei werden würden. Nach dieser Auskunft war ich verwirrt und auch ein wenig geschockt. Die Vorfreunde auf ein drittes Kind wurde nun zu einer Angst, tatsächlich Mehrlinge zu erwarten. Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf, ich wusste nicht wie es dann weitergehen sollte… Die Wohnung wäre dann viel zu klein, wir bräuchten ein neues Auto, alles doppelt, wenn nicht sogar dreifach! Ich war einfach völlig überfordert. Aber bevor ich diese Ungewissheit zur Gewissheit werden lassen konnte, musste ich wegen starker Übelkeit und heftigen Erbrechen ins Krankenhaus. Eine Woche verbrachte ich in der Klinik. Nach meiner Entlassung konnte ich endlich zum Pränataldiagnostiker gehen. Dieser bestätigte mir, dass ich tatsächlich Zwillinge erwarten würde. Das zuerst vermutete dritte Kind erwies sich nicht als Fruchthöhle sondern als eine Einblutung in die Gebärmutter.

Nach kurzer Zeit litt ich wieder an starker Übelkeit und Erbrechen. Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten und fühlte mich einfach nur schlecht. Deshalb musste ich wieder in ein Krankenhaus. Dieses Mal kam ich aber in ein anderes Krankenhaus, da mich das Krankenhaus vom letzten Mal ohne Einweisung nicht aufnehmen wollte. In dem zweiten Krankenhaus wurde ich mit Vomex behandelt. Nach einiger Zeit gings mir wieder besser und ich konnte nach einer Woche das Krankenhaus wieder verlassen. Allerdings verschlechterte sich mein Zustand wieder sehr rapide. Die Übelkeit kam wieder und kurze Zeit später musste ich wieder erbrechen. Vier Tage nach meiner Entlassung wurde ich zum wiederholten Male in die Klinik eingewiesen. Mittlerweile war ich bereits in der 7. bis 8. Schwangerschaftswoche. Dieses Mal wurde ich aber nicht mit Vomex behandelt, mir wurde stattdessen Paspertin intravenös verabreicht. Mein Zustand verbesserte sich ein wenig und ich konnte nach vier Tagen das Krankenhaus verlassen. Leider hielt dieser Zustand nicht lange an und mir ging es wieder furchtbar. Ich hatte bereits in vier Wochen 8 Kilo abgenommen und fühlte mich einfach nur noch schwach. Ein Krankenwagen brachte mich wieder in ein andres Krankenhaus. Dieses Mal hatte ich aber großes Glück: Die Klinik war einfach super! Das Personal war nett und es wurde bei mir täglich Ultraschall gemacht. Zwischen diesen ganzen Problemen gewöhnten sich mein Mann und ich immer mehr an den Gedanken Zwillinge zu bekommen. Wir hatten uns nicht nur damit abgefunden - wir freuten uns jeden Tag mehr auf unsere beiden Kinder! Der erste Schock war vorbei und der Gedanke Zwillinge zu bekommen war wunderschön. Durch das tägliche Ultraschall erhielt ich die Möglichkeit meine beiden Kinder wachsen zu sehen. Nach 11 Tagen Krankenhaus durfte ich wieder nach Hause. Es ging mir besser. Doch diese Freunde hielt nicht lange an. Auch dieses Mal verschlechterte sich mein Zustand wieder sehr schnell und ich musste daraufhin wieder für 10 Tage ins Krankenhaus. Am letzten Tag im Krankenhaus musste ich zur Abschlussuntersuchung. Beim Ultraschall entdeckte die Ärztin allerdings nichts Gutes: Sie stellte fest, dass eins unserer Babys eine gefüllte Blase hatte, die sich von alleine nicht mehr leerte. Im Gegenteil: Die Blase wurde immer größer! Es war wieder ein schock, Panik stieg in mir auf und ich wusste überhaupt nicht mehr was ich denken oder fühlen sollte. Voller Angst und Sorge ging ich wieder zu einem Pränataldiagnostiker. Unsere Befürchtungen bestätigten sich leider… Der Arzt stellte fest, dass unser Baby das Megacystis - Microcolon Syndrom hat. Trotz dieser vernichteten Diagnose hoffte ich umso mehr, dass alles Gut werden würde und unsere Babys es schaffen werden. Ich denke, wir waren uns in der ersten Zeit gar nicht bewusst, was das für unser Baby heißen wird!

Leider musste ich kurze Zeit später wieder ins Krankenhaus. Meine Übelkeit und das Erbrechen wurden einfach nicht besser. Wieder verbrachte ich eine Woche im Krankenhaus. In dieser Zeit durfte ich zusehen, wie unsere Kinder in meinen Bauch immer größer wurden - leider wuchs auch die Blase von unserem einem Zwilling mit. Am 10.08.09 hatte ich wieder einen Kontrolltermin beim Pränataldiagnostiker. Meine Mutter begleitete mich zu diesem Termin, da mein Mann arbeiten war. Der Arzt untersuchte mich gründlich und teilte mir mit, dass das Kind mit dem Megacystis Syndrom ein Junge ist. Der Junge ist durch diese Krankheit bereits viel zu groß geworden und nimmt deshalb dem anderen Kind viel zu viel Platz weg. Die Gefahr wuchs, dass unser Sohn unser zweites Kind im Bauch durch die Megacystis erdrückte. Der Arzt gab uns zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Eine vollständige Abtreibung beider Kinder oder den Tod unsres Sohnes Liam durch eine Spritze ins Herz damit unser anderes Kind die Chance hat zu überleben. Diese Diagnose war für mich ein Schock! Ich konnte nur noch weinen! Welche Eltern können so eine Entscheidung treffen? Meine Welt brach zusammen, mein Mann war auch völlig verzweifelt. Am Abend bekam ich starke Unterleibschmerzen auf der linken Seite. Allerdings gingen diese relativ schnell wieder weg.

Am nächsten Tag sollte es soweit sein. Zunächst sollte ich eine Fruchtwasseruntersuchung bei beiden Kindern machen lassen. Danach sollte eigentlich noch der Termin zur Tötung meines Sohnes vereinbart werden. An diesem Tag begleitete mich mein Mann zur Fruchtwasseruntersuchung. Der Arzt stellte beim Ultraschall fest, dass unser kleiner Liam bereits eingeschlafen ist und auch nie wieder aufwachen wird. Er hatte da schon keinen Herzschlag mehr.
Liam verließ uns so schnell und leise wie er gekommen war…

Die Fruchtwasseruntersuchung wurde nun erstmal verschoben. Ich konnte nur weinen! Der Gedanke, dass ich ein totes und ein lebendes Kind in meinem Bauch habe, konnte ich nicht ertragen. Es ist so sehr schmerzhaft; ein unbeschreiblich leeres Gefühl begleitet mich seitdem.

Leider werden wir unseren kleinen Sohn Liam nicht beerdigen können, da laut Aussage der Ärzte nichts mehr von unserm Sohn bei der Geburt seines Geschwisterchens im Februar 2010 übrig bleiben wird.

Am 19.08.09 sollte nun die verschobene Fruchtwasseruntersuchung stattfinden. Bei beiden Kindern wurde diese durchgeführt. Das Ergebnis kam bald: Wir erfuhren zunächst das Geschlecht unseres anderen Babys: Es wird ein Mädchen! Unsere Tochter ist gesund und Liam ist genetisch auch völlig gesund gewesen. Einen Chromosomenfehler hatte er auch nicht. Liam hatte dafür aber sehr viele andere schlimme Dinge: Einen fehlenden Darm, eine viel zu große Blase, einen offenen Rücken und eine Nackenfalte. Diese Nackenfalte lässt auf einen sehr schweren Herzfehler schließen.


Ich frage mich jeden Tag, ob eventuell das mir verabreichte intravenöse Paspertin der Grund für die schwere Fehlbildung unseres Sohnes sein kann. Dieser Gedanke quält mich und sucht mich häufig in meinen Träumen auf.

Mittlerweile bin ich nun am Ende des 7. Monats. Unserer Tochter geht es gut. Liam sehen wir nicht mehr auf dem Ultraschall.

Es tut uns immer noch in der Seele weh, dass Liam so etwas Schlimmes passieren musste. Dennoch sind wir dankbar, dass wir nicht die Entscheidung über Leben und Tod von Liam treffen mussten. Diese schwere Entscheidung hat uns unser kleiner Sohn abgenommen.

Wir wären die glücklichsten Eltern gewesen, wenn wir hätten beide Kinder in unseren Armen halten dürfen! Aber wir werden ihn nie vergessen. Liam wird für immer in unserem Herzen weiterleben!


Mama und Papa


top ]     [ zurück ]